17.04.2010

Tageskarte: Hindenburg Klassik


Gebratene Wildwachteln

Spargelcremesuppe mit Parmaschinken

Nudeln nach Art der Frauen von Amatrice

Gedünstetes Filet vom Steinbutt

Eat Drink Man Woman

Wir lieben die #26 und die #64 im Tai Pai in der Hildesheimer Straße. Aber manchmal träumen wir halt auch von Ang Lee... Von seiner in Taiwan entstandenen Hommage an die Küche Chinas: "Eat Drink Man Woman". Hier die Eröffungssequenz:

15.04.2010

Zu Gast... im IhmeRauschen

Am Küchengarten gibt es eine neue Bar. Dort kann man über eine geöffnete Kiste 1990er Hermitage La Chapelle von Jaboulet (100 Robert Parker Punkte) ins WC schweben und von da den Gästen beim Weintrinken zusehen - durch eine halbdurchlässige Fensterscheibe.

Gestern wurde die Weinbar "IhmeRauschen" mit 100 geladenen Gästen eröffnet. Sie befindet sich in demselben leicht barackenhaften Gebäudekomplex, in dem auch die Gaststätte "11a Küche mit Garten" untergebracht ist. Und wie diese ist auch IhmeRauschen ein Projekt von Christoph Elbert und seiner reizenden Gefährtin Verena Schindler. Wer in den letzten zwei Jahren mal im 11a essen war, das wir an anderer Stelle in diesem Blog bereits als "das ungewöhnlichste unter den guten Restaurants Hannovers" bezeichnet haben, der ahnt, daß im IhmeRauschen die Uhren ein wenig anders ticken als gemeinhin in Lindener Eckkneipen. Die neue Weinbar ist quasi die Alice-In-Wonderland-Version einer Trinkhalle. Eingebaut wurde sie in ein vormaliges Umspannwerk. Wo früher die schweren Transformatoren im Boden eingelassen waren, ist jetzt der unterirdische, nach oben verglaste Weinkeller - in ihm: eine der wertvollsten hannöverschen Sammlungen von Spitzengewächsen aus aller Welt aus den größten Jahrgängen.

Wegen des Kraftstroms, der früher in dieser Halle floß, - und nicht nur wegen des Wellenschlags der nahen Ihme - trägt der Laden jetzt das "Rauschen" im Namen, denn "der Begriff stammt ja irgendwie auch aus aus der Welt der Elektrik", weiß Wirt Elbert.

Der Allegorien sind noch viele: Die grafittiartigen Höhlengemälde in dem fensterlosen Verließ zitieren Van Gogh. "Die Pappeln rund um Arles, keiner hat sie so gemalt wie Vincent," schnalzt Elbert, "und ich habe ihn jetzt kopiert!" Im Maßstab 10:1. Über uns verdüstert sich die Wolkenhimmeltapete, schon bald rauscht es nicht nur in der Ihme, sondern auch im Kopf des Gastes.

Erdacht und umgesetzt haben das frappante Konzept die Wirtsleute Elbert und Schindler gemeinsam mit Designer Oliver Schröder von raum D. Künftig sollen vor allem die Gäste des 11a vor und nach ihrem Diner im IhmeRauschen verweilen. Ein neuer Bar-Keeper, der sympathische Philipp, unterstützt hier die hausbekannten Grazien Mel und Paula. Nur die gute Bahar verweigert sich der erweiterten Kampfzone, wie sie uns verrät. "Ich verstehe nichts von Wein," stellt die resolute Maîtresse de maison vom 11a klipp und klar. Man kann eben nicht alle haben. Auch nicht als Alice im Wunderland.

Der unterirdische Keller mit überirdischen Trouvaillen -
wir stehen drauf!

Die einzige Verbindung zum Küchengarten - ein Flatscreen

Christoph Elbert mit Weinkönigin aus Beaune

Kopfrauschen

Ein lebhafter Ausblick vom stillen Örtchen

Unser Exklusivinterview

13.04.2010

Sylter Weißbrot für den rüstigen Jubilar


Beim Grillen bevorzugt der Bäcker US-Beef

Eigentlich wollten wir Bäckermeister Jochen Gaues nur fragen, ob er uns bei dem schönen Wetter mit dem roten Ferrari-Cabriolet abholen möge, das er in der Freiluftsaison so gerne durchs Städtchen bugsiert... Aber dann erfahren wir: "Rückwärtsgang kaputt, da brauchen die zwei Wochen für, und jetzt ist erst eine 'rum! Das ist doch der Hammer, oder!?"

Also keine Spritztour, aber eine Tour de Force über das politische Parkett der Bundeshauptstadt: "Nächste Woche gibt Horst Köhler zum 90. Geburtstag von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker ein großes Bankett", läßt der Bäcker den Blick in die nahe Zukunft schweifen, "und der wünscht sich nichts sehnlicher als Brot von Gaues." Hat er jedenfalls Angela Merkel erzählt. Und dort offene Türen eingerannt, denn die Kanzlerin ist ein Fan des "Sylter Weißbrot" aus der Ledeburger Backstube. So ließ sie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm auf dem kleinen Dienstwege anrufen bei Jan Göran Barth, Chefkoch im Schloss Bellevue, um sanft aber bestimmt von Weizsäckers größten Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen.

Aber jetzt kommt die Pointe. Gaues erzählt: "Da hat der Barth den Wilhelm gefragt, 'habt ihr keine anderen Sorgen?', und weißt du, was der daraufhin geantwortet hat? 'Nein!' - Das ist doch der Hammer, oder!?"

08.04.2010

Ich bin, das müßt ihr glauben...

...der allerbeste Karlsson auf der Welt. Bald ist es wieder soweit: Karlsson auf dem Dach. Aber er, der Propellermann ist nicht alleine, auch Hannovers Party-Pipl folgen dem eigentlich untypischen Ruf hinauf aufs Roof. SummerLounge (auf dem Parkdeck in der Röselerstraße 7): "Schöne Aussichten 360°".

Und obschon unsere 3 Lieblinge von Scene-Events hier die Initiatoren sind - die Herren Boris Bütehorn, Michael "Schlüpfer" Rüger und Guido Wirries - wäre das kaum eine Notiz in Hannovers bestinformierten Food-Blog wert, wenn nicht obendrein auch der Feinschmecker Anlaß hätte, hier mit der Zunge zu schnalzen.

Und genau dafür sorgt diesmal Oliver Ahlborn, normalerweise Wirt und Chef d' im Restaurant Diva. Im Diva bleibt ab sofort mittags die Küche kalt, denn das kleine, feine Restaurant (unser "Zu Gast in..."-Report folgt in wenigen Tagen!) bereitet sich vor auf das Catering der saisonalen Parkdeck-Erweckung - als Nachfolgerin der hannöverschen Gosch-Sylt-Filale (Fischbrötchen aller Art)...

Wenn Ahlborn jetzt noch "Fleischklößchen à la Karlsson" ins Programm aufnähme, wären 70erJahre-Schweden-TV und 10erJahre-Clubbing-Culture endlich versöhnt... Und Oliver A. wär' , das müßt ihr glauben, der allerbeste Karlsson auf der Welt.

Klick it like Beckham

06.04.2010

Die Kleine Elegante läßt die Hüllen fallen


Kastens Hotel Luisenhof al fresco

Lebte Rainer Maria Rilke heute, hier im sinnenfrohen Hannover, dann wäre der "Herbsttag" vermutlich nie geschrieben worden. Wohl aber ein "Frühlingstag": "Wer jetzt keine Außenterrasse hat, baut sich keine mehr, wer jetzt alleine zapft, wird es bis zum Oktober tun....". In der Luisenstraße, der "Kleinen Eleganten", bewundern wir im Eingang zur Galerie Luise die superaufwendig gestaltete Espressobar-Weinausschank-Kutsche von Ecco-Feinkost und stolpern sodann in den brandneuen Außenbereich des Kastens Hotel Luisenhof. Daß die Grand Old Lady der niedersächsischen Hotellerie einmal derart die Hüllen fallen lassen würde... Irre! Stolz wie Bolle (und das zurecht) zeigt uns Bar-Chef Jörg Hammann sein neues Freigehege, das ab sofort den charmanten "Luisenpub" gleich um ein vielfaches erweitern wird. "Und fast den ganzen Tag Sonne! Wir liegen ja praktisch auf einer Nord-Süd-Achse", lobt Hammann gerade die location.

Es sind moderne Zeiten auch und gerade auf der Luisenstraße. Nur das Kännchen grüner "Morgentau"-Tee aus dem Hause Ronnefeldt, das Herr Hammann wie stets ungefragt serviert, bleibt wie es war.

26.01.2010

Zu Gast... bei Norbert Schu ("Reif für die Insel")


Norbert Schu erzählt uns seit den 1980ern seine Geschichten.
Als es uns spanisch vorkam, hingen wir an seinen Lippen.

Eins muß man Norbert Schu, dem eloquenten Wirt von Die Insel, lassen: er, der wie kaum ein anderer seiner Zunft auch mal über den Tellerand guckt und als Entdecker kulinarischer Phänomene außerhalb der hannöverschen Stadtmauern umherzieht, er also war es, der schon vor vielen Jahren von einer geheimnisvollen Reise an die spanische Costa Brava berichtete - wir hingen damals an seinen Lippen... Vom El Bulli war da die Rede. Von einem Restaurant im Niemandsland, nur zu erreichen mit dem S.U.V. oder auf dem Seeweg. Wo die Servierkraft Anweisungen gibt, "wie" man ein Gericht zu verspeisen hätte. "Erst den Löffel ganz tief in das Glas hineistecken und dann die oberen Schichten..."

Norbert Schu gibt es immer noch. Auch er hat mittlerweile einen Sahnespender von Isi, mit dem "Espumas" gebaut werden. Ferran Adria, den Patron vom El Bulli (jahrelang immer wieder gewählt zum "World's Best Restaurant"), gibt es nicht mehr - zumindest ab 2012 und bis 2013 nicht. Jedenfalls nicht in dem legendären Restaurant, in dem die Molekularküche einst erfunden wurde. Der Meister will "vorübergehend" schließen. Eine Topnachricht für alle Agenturen und Tageszeitungen rund um die Welt. Wie für The Guardian (klick). Hasta la vista, Molekularküche? War alles nur eine sinnlose Übertreibung wie seinerzeit die lächerlichen Auswüchse einer Nouvelle Cusine? Schau'n mer mal... Aber auch in der Welt der Gourmandise gilt: Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei.
Norbert Schu war unterdessen schon wieder unterwegs. In Südwestfrankreich. Bei Remy und Martine Pédreno. Um der schroffen Erde des Languedoc ein Spitzengewächs wie den Roc d'Anglade (100% Chenin Blanc) abzutrotzen, lebt das Winzerpaar in Bescheidenheit. „Sie geben alles nur für ihren Wein. Leben in einer kargen Hütte. Mir war so bitterkalt, denn der Ofen war kaputt!“. An der Demut seiner neuen Freunde sollten sich sich alle Gastronomen ein Beispiel nehmen: „Wahrhaftigkeit ist das Ziel!“. Wissen das seine Gäste denn auch zu schätzen? „Aber ja! Schau' mal, da oben im Regal stehen 20 leere Jahrgänge Romanée-Conti, 20 Jahrgänge Pétrus. Ich hab' sie nicht getrunken. Das waren unsere Gäste. Und warum? Weil es Spaß macht!“ Und welche Freuden der Tafel erwarten den Gast aktuell auf Schus Eiland? „Die große Schenkelparade!“ - Froschschenkel in drei Gängen serviert, auf Linsensalat, im Kresseschaum und gebacken mit Pommes Pont Neuf. “Wir kriegen zweimal in der Woche 3kg Froschschenkel aus Frankreich. Zum Vergleich: Christian Lohse in Berlin kriegt 30. Ist halt Hannover, aber wir bleiben trotzdem dran!“ Man glaubt es ihm aufs Wort.



Die Insel | Rudolf-von-Bennigsen-Ufer 81 | Telefon (0511) 83 12 14

Dieser Text erschien zuerst im Blog "Gazzettino"

16.01.2010

Zu Gast... im Les Deux Magots


Winter in Paris. Ein sonniger Mittag im Januar. Lunch auf der Terrasse von "Les Deux Magots". Alle wollen nur das eine, das Tagesgericht: Den verführerischen kleinen Linsensalat mit einigen Scheiben Foie Gras (12,50 €). Es breitet sich unter dem legendär souveränen Servicepersonal sogar eine gewisse, gänzlich ungewohnte Hektik aus, weil die Küche offenbar nicht nachkommt. Geht etwa die Stopfleber zur Neige? Eigentlich undenkbar in Pariser Kühlschränken… Oder hat der Chef seine Linsen verloren?

Als nun noch obendrein auch wir das begehrte Schälchen (siehe Foto) ordern, verdreht der Kellner sogar kurz die Augen und muß erst durch eine scharfe Nachfrage nach seinem Befinden – abschtlich mit deutlich deutschem Akzent vorgetragen – wieder zur Räson gebracht werden. Aber warum die Aufregung? Schließlich wäre auch heute der Deux-Magots-Klassiker eine sichere Wahl: der “Saumon fumé de Norvège et toasts” (24,50 € - im Foto links) – ein Lachs von einer Güte, die demütig werden läßt.

Wir lassen uns jedenfalls beides servieren auf dem winzigen Outdoor-Tischchen vis-à-vis der Église Saint-Germain-des-Prés, die in der wärmenden Wintersonne glänzt. Unterdessen versteckt der “Voiturier” - auf deutsch: ein Auto-Weg-Parker für die Gäste des "Les Deux Magots" (Kosten: 8,00 €) - unseren Renault-Kangoo vor der Meute der eifrigen Pariser Politessinnen. Den praktischen Kastenwagen haben wir am Flughafen Orly geborgt von Regine Sixt.

Und so sitzen wir total glücklich zu Tisch. Denn heute bekommt das Auto mal kein “Knöllchen”, und wenn doch – es gehört ja gar nicht uns… So läßt es sich aushalten. In 75006 Paris!

06.01.2010

Zu Gast... im 11A


"Wer abends 'nochmal gemütlich auf 'ne Caipi' in die Kneipe gehen will, sollte unter Hausarrest gestellt werden.“ Christoph Elbert macht einen Punkt. Gegen Gin'n'Tonic - mit einer Gurkenscheibe - ist aber nichts einzuwenden. Den läßt uns der stärkste Wirt Hannovers ungefragt aber ausdrücklich servieren zu seiner „Terrine von Gänseleber und gepökelter Kalbszunge“ (Foto). Bahar setzt von rechts ein. Danke! 

Auch nach zwei Jahren ist das ungewöhnlichste unter den guten Restaurants Hannovers immer noch der Liebling der Saison. Vielleicht liegt's daran: Christoph und seine Partnerin Verena berufen sich auf die durchaus noble Historie ihrer heute so kultigen Location: „Genau hier war früher der Kräutergarten der Welfen!“, lassen die beiden wissen, „wir setzen nur fort, was Hannovers Könige begonnen haben.“

Der Duke of Linden mit einer Flache Wacholderschnaps

Dank Bahar und ihren Kolleginnen ißt im 11A das Auge immer mit

Am Küchengarten 11A, Tel. 5901111

Der Text erschien zuerst in Hannover Geht Aus, Ausgabe Herbst/Winter 2009/2010