30.04.2010

The Two Towers

Mitunter kommt es bei Tisch zu ungeahnten Erkenntnissen. Hier entdeckt ein Mann, daß seine bis dato etwas spröde Angebetete seine größte Leidenschaft teilt: "Herr der Ringe"...

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Szene aus "17 Again" (2009)

27.04.2010

Die weltbeste Nudel


Vier schöne Menschen, vier gut gekleidete Herren. Aber nur einer von ihnen kann kochen. Es ist erste von links: Oliver Rasper, Chefkoch der Chefs in der Nord LB, Fernsehkoch, Buchautor. Hier begleiteten ihn Robert Kroth und Henry Kayser, Food-Kolumnisten des hannoverschen Lifestylemagazins Nobilis bei einem Einkauf durch Hannover. Auf der Suche nach der weltbesten Pasta (dt. Nudel) wird man - das weiß Rasper längst - ausgerechnet bei Michael Jondral Herrenmoden in der Karmarschstraße fündig. Die Fettucce, Bucatini, Pappardelle und Spaghettini von Setaro hatte Jondral vor Jahren bei einem privaten Essen in Neapel kennen gelernt, importiert sie seither direkt aus Torre Annunziata am Golf und hat schon viele Connaisseure von seiner Entdeckung überzeugen können.

Pastificio Fratelli Setaro ist der letzte Hersteller in der ehemaligen Hauptstadt des „weißen Goldes“, wie die Pasta hier genannt wird: Torre Annunziata, etwa 10 km südlich von Neapel gelegen und in direkter Nachbarschaft zu Pompeji, das 79 n.Chr. vom verheerenden Ausbruch des Vesuv vernichtet wurde, hat Anfang des letzten Jahrhunderts noch für ganz Italien Pasta in höchster Qualität produziert. Die Straßen des Ortes waren voll mit den Gestellen für die Trocknung der Pasta an der Sonne.

 In der dritten Generation stellt die Familie Setaro ihre Pasta wie vor 100 Jahren in Handarbeit und mit viel Geduld her. Sie verwenden die alten Maschinen mit Bronzedurchführungen, die die Pasta für eine gute Aufnahme der Soße aufraut.

Nur bester Weizen, verarbeitet zu Hartweizengrieß, frisches Quellwasser aus der eigenen Quelle unter dem Haus und eine schonende Trocknung mit Trockenzeiten zwischen 24 und 120 Stunden - je nach Wetter und Format - garantieren beste Qualität. Übrigens nicht nur geschmacklich, sondern auch vom gesundheitlichen Aspekt her, da der langsame Produktions- und Trocknungsprozess die wertvollen Inhaltsstoffe der Pasta optimal erhält. Ideal für die Trocknung der Pasta ist auch das verwendete Baumaterial, aus dem das alte Gebäude besteht: vesuvianischer Tuffstein, der den Feuchtigkeitsaustausch bei der Trocknung sehr begünstigt.



Michael Jondral Herrenmoden führt rund 15 verschiedene Formate, von klassischen Spaghetti und Linguine über verschieden breite Bandnudelsorten wie Fettucce und Pappardelle bis hin zu kurzen Formaten wie Penne rigatoni, Occhi di Elefanti und Zitoni. Neu im Programm ist das sehr große Formate Paccheri. Dies ist außerhalb von Italien eines der größten Sortimente überhaupt. Die Chefs überall auf der Welt reißen sich um die Pasta Setaro, in New York beispielsweise herrscht Knappheit!

Zur Philosophie der Brüder gehört es aber auch, die Produktion nicht zu steigern und jedem eben nur ein kleines Kontingent zur Verfügung zu stellen.

Die Installation von neuen Maschinen oder von Apparaten zum schnelleren Verpacken der Ware, was bisher noch in Handarbeit geschieht, kommt ebenso wenig in Frage wie der Verkauf der Produkte über das Internet. Michael Jondral verkauft das Kilo Pasta Setaro für zehn Euro.
Das Setaro-Lager im Keller des Modehändlers
Karmarschstraße 37/39

23.04.2010

How Much Is The Fish

Venedig: der Fisch- und Gemüsemarkt am Rialto findet seit 1000 Jahren jeden Tag (außer Sonntag) statt. Kriege, Seuchen, Verheerungen - komme was wolle über die Lagunenstadt, frühmorgens ist immer Markt. Und nach dem Markt (um 09:30) zum Frühstück und einem ersten Glas Vino Seco ins Al Marca, dem schönsten Stehimbiß der Welt.

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Poilâne



Unser täglich Brot kommt von Jochen Gaues. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Aber wie heißt es über die Töchter anderer Mütter... Eine französische Brotlegende ist das Pain Poilâne, ein Sauerteigbrot aus der Bäckerei in der Rue Cherche-Midi in Saint-Germain-des-Prés. Oft kopiert und nie erreicht. Während Bäckereiketten wie Paul dem Trend zum Sauerteigbrot folgten, aber mittlerweile auch auf Autobahnraststätten zu finden sind, reichte die Expansion von Poilâne gerade mal zu zwei weiteren Läden, davon einer in London.

Aber Apollonia Poilâne, die nach dem tragischen Hubschrauberabsturz ihres Vater Lionel das Unternehmen 2002 übernahm, hatte im Sommer letzten Jahres die Idee, allen Pariser Kunden auf Sommerfrische das Brot in der Ferienzeit hinterher zu liefern. Mittlerweile ist daraus ein ganzjähriger  Lieferservice enstanden mit einem charmanten Onlinestore obendrein. Der Clou: Poilâne liefert weltweit! So kostet ein Laib des Klassikers 35 Euro, inklusive FedEx overnight service Paris-Hannover (das 2kg schwere Brot aus den vier Zutaten Sauerteig, Mehl, Wasser und Meersalz aus der Guérande kostet vor Ort 8 Euro). Ein teures, aber delikates Vergnügen!

Liebling, ich bin beim Bäcker!

21.04.2010

Stadt der Engel


Vulkanascheumwoben zeigte sich in den letzten Tagen das ganz hoch oben gelegene Parkdeck Röselerstraße 7 (nahe der Markthalle). Ein Start der SummerLounge City war noch nicht möglich - bestenfalls im Sichtflug. Doch jetzt ist der Himmel endlich frei. Die Wolke verzieht sich, wurde zuletzt über Haste gesehen (Foto) und nun kann's losgehen: Schöne Aussichten 360°. Allerdings nicht sofort, auch hier wird es wohl noch bis zum Wochenende dauern, bis der reguläre Flugplan in vollem Gange ist.

Wir folgen dem Ruf vor allem wegen der Leckereien der DIVA. Chef d' Oliver Ahlborn verriet uns im Chat: "es wird ein kleines Frühstück geben, Focaccia & Paninis, mittags unsere beliebten Asianudeln & die DIVA Currywurst, Salate & wechselnde Tagesangebote sowie abends auch unsere beliebten Steaks mit Salaten..., und vielleicht auch allerbeste Fleischklößchen..."

Ein Karlsson würde ohne die Fleischklößchen jedenfalls nicht aufs Dach fliegen. Soviel steht fest.
Tischreservierung unter 98 26 833.

Die Diva unter den Currywürsten

17.04.2010

Tageskarte: Hindenburg Klassik


Gebratene Wildwachteln

Spargelcremesuppe mit Parmaschinken

Nudeln nach Art der Frauen von Amatrice

Gedünstetes Filet vom Steinbutt

Eat Drink Man Woman

Wir lieben die #26 und die #64 im Tai Pai in der Hildesheimer Straße. Aber manchmal träumen wir halt auch von Ang Lee... Von seiner in Taiwan entstandenen Hommage an die Küche Chinas: "Eat Drink Man Woman". Hier die Eröffungssequenz:

15.04.2010

Zu Gast... im IhmeRauschen

Am Küchengarten gibt es eine neue Bar. Dort kann man über eine geöffnete Kiste 1990er Hermitage La Chapelle von Jaboulet (100 Robert Parker Punkte) ins WC schweben und von da den Gästen beim Weintrinken zusehen - durch eine halbdurchlässige Fensterscheibe.

Gestern wurde die Weinbar "IhmeRauschen" mit 100 geladenen Gästen eröffnet. Sie befindet sich in demselben leicht barackenhaften Gebäudekomplex, in dem auch die Gaststätte "11a Küche mit Garten" untergebracht ist. Und wie diese ist auch IhmeRauschen ein Projekt von Christoph Elbert und seiner reizenden Gefährtin Verena Schindler. Wer in den letzten zwei Jahren mal im 11a essen war, das wir an anderer Stelle in diesem Blog bereits als "das ungewöhnlichste unter den guten Restaurants Hannovers" bezeichnet haben, der ahnt, daß im IhmeRauschen die Uhren ein wenig anders ticken als gemeinhin in Lindener Eckkneipen. Die neue Weinbar ist quasi die Alice-In-Wonderland-Version einer Trinkhalle. Eingebaut wurde sie in ein vormaliges Umspannwerk. Wo früher die schweren Transformatoren im Boden eingelassen waren, ist jetzt der unterirdische, nach oben verglaste Weinkeller - in ihm: eine der wertvollsten hannöverschen Sammlungen von Spitzengewächsen aus aller Welt aus den größten Jahrgängen.

Wegen des Kraftstroms, der früher in dieser Halle floß, - und nicht nur wegen des Wellenschlags der nahen Ihme - trägt der Laden jetzt das "Rauschen" im Namen, denn "der Begriff stammt ja irgendwie auch aus aus der Welt der Elektrik", weiß Wirt Elbert.

Der Allegorien sind noch viele: Die grafittiartigen Höhlengemälde in dem fensterlosen Verließ zitieren Van Gogh. "Die Pappeln rund um Arles, keiner hat sie so gemalt wie Vincent," schnalzt Elbert, "und ich habe ihn jetzt kopiert!" Im Maßstab 10:1. Über uns verdüstert sich die Wolkenhimmeltapete, schon bald rauscht es nicht nur in der Ihme, sondern auch im Kopf des Gastes.

Erdacht und umgesetzt haben das frappante Konzept die Wirtsleute Elbert und Schindler gemeinsam mit Designer Oliver Schröder von raum D. Künftig sollen vor allem die Gäste des 11a vor und nach ihrem Diner im IhmeRauschen verweilen. Ein neuer Bar-Keeper, der sympathische Philipp, unterstützt hier die hausbekannten Grazien Mel und Paula. Nur die gute Bahar verweigert sich der erweiterten Kampfzone, wie sie uns verrät. "Ich verstehe nichts von Wein," stellt die resolute Maîtresse de maison vom 11a klipp und klar. Man kann eben nicht alle haben. Auch nicht als Alice im Wunderland.

Der unterirdische Keller mit überirdischen Trouvaillen -
wir stehen drauf!

Die einzige Verbindung zum Küchengarten - ein Flatscreen

Christoph Elbert mit Weinkönigin aus Beaune

Kopfrauschen

Ein lebhafter Ausblick vom stillen Örtchen

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Unser Exklusivinterview

13.04.2010

Sylter Weißbrot für den rüstigen Jubilar


Beim Grillen bevorzugt der Bäcker US-Beef

Eigentlich wollten wir Bäckermeister Jochen Gaues nur fragen, ob er uns bei dem schönen Wetter mit dem roten Ferrari-Cabriolet abholen möge, das er in der Freiluftsaison so gerne durchs Städtchen bugsiert... Aber dann erfahren wir: "Rückwärtsgang kaputt, da brauchen die zwei Wochen für, und jetzt ist erst eine 'rum! Das ist doch der Hammer, oder!?"

Also keine Spritztour, aber eine Tour de Force über das politische Parkett der Bundeshauptstadt: "Nächste Woche gibt Horst Köhler zum 90. Geburtstag von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker ein großes Bankett", läßt der Bäcker den Blick in die nahe Zukunft schweifen, "und der wünscht sich nichts sehnlicher als Brot von Gaues." Hat er jedenfalls Angela Merkel erzählt. Und dort offene Türen eingerannt, denn die Kanzlerin ist ein Fan des "Sylter Weißbrot" aus der Ledeburger Backstube. So ließ sie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm auf dem kleinen Dienstwege anrufen bei Jan Göran Barth, Chefkoch im Schloss Bellevue, um sanft aber bestimmt von Weizsäckers größten Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen.

Aber jetzt kommt die Pointe. Gaues erzählt: "Da hat der Barth den Wilhelm gefragt, 'habt ihr keine anderen Sorgen?', und weißt du, was der daraufhin geantwortet hat? 'Nein!' - Das ist doch der Hammer, oder!?"

08.04.2010

Ich bin, das müßt ihr glauben...

...der allerbeste Karlsson auf der Welt. Bald ist es wieder soweit: Karlsson auf dem Dach. Aber er, der Propellermann ist nicht alleine, auch Hannovers Party-Pipl folgen dem eigentlich untypischen Ruf hinauf aufs Roof. SummerLounge (auf dem Parkdeck in der Röselerstraße 7): "Schöne Aussichten 360°".

Und obschon unsere 3 Lieblinge von Scene-Events hier die Initiatoren sind - die Herren Boris Bütehorn, Michael "Schlüpfer" Rüger und Guido Wirries - wäre das kaum eine Notiz in Hannovers bestinformierten Food-Blog wert, wenn nicht obendrein auch der Feinschmecker Anlaß hätte, hier mit der Zunge zu schnalzen.

Und genau dafür sorgt diesmal Oliver Ahlborn, normalerweise Wirt und Chef d' im Restaurant Diva. Im Diva bleibt ab sofort mittags die Küche kalt, denn das kleine, feine Restaurant (unser "Zu Gast in..."-Report folgt in wenigen Tagen!) bereitet sich vor auf das Catering der saisonalen Parkdeck-Erweckung - als Nachfolgerin der hannöverschen Gosch-Sylt-Filale (Fischbrötchen aller Art)...

Wenn Ahlborn jetzt noch "Fleischklößchen à la Karlsson" ins Programm aufnähme, wären 70erJahre-Schweden-TV und 10erJahre-Clubbing-Culture endlich versöhnt... Und Oliver A. wär' , das müßt ihr glauben, der allerbeste Karlsson auf der Welt.

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Klick it like Beckham

06.04.2010

Die Kleine Elegante läßt die Hüllen fallen


Kastens Hotel Luisenhof al fresco

Lebte Rainer Maria Rilke heute, hier im sinnenfrohen Hannover, dann wäre der "Herbsttag" vermutlich nie geschrieben worden. Wohl aber ein "Frühlingstag": "Wer jetzt keine Außenterrasse hat, baut sich keine mehr, wer jetzt alleine zapft, wird es bis zum Oktober tun....". In der Luisenstraße, der "Kleinen Eleganten", bewundern wir im Eingang zur Galerie Luise die superaufwendig gestaltete Espressobar-Weinausschank-Kutsche von Ecco-Feinkost und stolpern sodann in den brandneuen Außenbereich des Kastens Hotel Luisenhof. Daß die Grand Old Lady der niedersächsischen Hotellerie einmal derart die Hüllen fallen lassen würde... Irre! Stolz wie Bolle (und das zurecht) zeigt uns Bar-Chef Jörg Hammann sein neues Freigehege, das ab sofort den charmanten "Luisenpub" gleich um ein vielfaches erweitern wird. "Und fast den ganzen Tag Sonne! Wir liegen ja praktisch auf einer Nord-Süd-Achse", lobt Hammann gerade die location.

Es sind moderne Zeiten auch und gerade auf der Luisenstraße. Nur das Kännchen grüner "Morgentau"-Tee aus dem Hause Ronnefeldt, das Herr Hammann wie stets ungefragt serviert, bleibt wie es war.