15.04.2010

Zu Gast... im IhmeRauschen

Am Küchengarten gibt es eine neue Bar. Dort kann man über eine geöffnete Kiste 1990er Hermitage La Chapelle von Jaboulet (100 Robert Parker Punkte) ins WC schweben und von da den Gästen beim Weintrinken zusehen - durch eine halbdurchlässige Fensterscheibe.

Gestern wurde die Weinbar "IhmeRauschen" mit 100 geladenen Gästen eröffnet. Sie befindet sich in demselben leicht barackenhaften Gebäudekomplex, in dem auch die Gaststätte "11a Küche mit Garten" untergebracht ist. Und wie diese ist auch IhmeRauschen ein Projekt von Christoph Elbert und seiner reizenden Gefährtin Verena Schindler. Wer in den letzten zwei Jahren mal im 11a essen war, das wir an anderer Stelle in diesem Blog bereits als "das ungewöhnlichste unter den guten Restaurants Hannovers" bezeichnet haben, der ahnt, daß im IhmeRauschen die Uhren ein wenig anders ticken als gemeinhin in Lindener Eckkneipen. Die neue Weinbar ist quasi die Alice-In-Wonderland-Version einer Trinkhalle. Eingebaut wurde sie in ein vormaliges Umspannwerk. Wo früher die schweren Transformatoren im Boden eingelassen waren, ist jetzt der unterirdische, nach oben verglaste Weinkeller - in ihm: eine der wertvollsten hannöverschen Sammlungen von Spitzengewächsen aus aller Welt aus den größten Jahrgängen.

Wegen des Kraftstroms, der früher in dieser Halle floß, - und nicht nur wegen des Wellenschlags der nahen Ihme - trägt der Laden jetzt das "Rauschen" im Namen, denn "der Begriff stammt ja irgendwie auch aus aus der Welt der Elektrik", weiß Wirt Elbert.

Der Allegorien sind noch viele: Die grafittiartigen Höhlengemälde in dem fensterlosen Verließ zitieren Van Gogh. "Die Pappeln rund um Arles, keiner hat sie so gemalt wie Vincent," schnalzt Elbert, "und ich habe ihn jetzt kopiert!" Im Maßstab 10:1. Über uns verdüstert sich die Wolkenhimmeltapete, schon bald rauscht es nicht nur in der Ihme, sondern auch im Kopf des Gastes.

Erdacht und umgesetzt haben das frappante Konzept die Wirtsleute Elbert und Schindler gemeinsam mit Designer Oliver Schröder von raum D. Künftig sollen vor allem die Gäste des 11a vor und nach ihrem Diner im IhmeRauschen verweilen. Ein neuer Bar-Keeper, der sympathische Philipp, unterstützt hier die hausbekannten Grazien Mel und Paula. Nur die gute Bahar verweigert sich der erweiterten Kampfzone, wie sie uns verrät. "Ich verstehe nichts von Wein," stellt die resolute Maîtresse de maison vom 11a klipp und klar. Man kann eben nicht alle haben. Auch nicht als Alice im Wunderland.

Der unterirdische Keller mit überirdischen Trouvaillen -
wir stehen drauf!

Die einzige Verbindung zum Küchengarten - ein Flatscreen

Christoph Elbert mit Weinkönigin aus Beaune

Kopfrauschen

Ein lebhafter Ausblick vom stillen Örtchen

video
Unser Exklusivinterview

1 Kommentar:

  1. Regin Reuschel10. Mai 2010 um 09:22

    Geburtstags-Überraschung
    Eigentlich wollten wir nur ins 11 A essen gehen, da uns "IhmeRauschen" noch gar nicht bekannt war. Dank notorisch bester Auslastung des angesagten Restaurants folgten wir dem Tipp der Gastgeber, vorab im "IhmeRauschen" auf freie Essensplätze zu warten. Erster Schmunzel-Schock: Du wirst über duweißtnichtwiedickes Glas zum Betreten geschickt, schaust schwindelfrei nach unten in den Weinkeller und gelangst ins 3/4-Dunkel der WeinBar. Es gibt verschieden hochtief angeordnete Sitzgelegenheiten, zum Teil an in der Gürtellinie halbierten Weinfässern und weißt: Hier kannst du dich fallen lassen! Ebenso freundlicher wie aufmerksamer wie fachkundiger Service berät dich bei der Auswahl des richtigen Weines. Auf nüchternen Magen wollten wir nur einen kleinen Einstieg und begnügten uns mit je 1/5 Liter weißem Cabernet bzw. Grünem Veltliner. Der Cabernet wäre für wärmere Tage wohl passender gewesen, der Veltliner hingegen überzeugte durch für diese Sorte ungewöhnliche Weichheit und Reife, so dass klar war: Nach dem Essen gleich wieder hierher und diesen weiter genießen! Nach Jakobsmuscheln und Entenbrust im 11 A (beides 1 A) und dem uns gut bekannten Schneider Rotwein testeten wir kurz den vom Wirt selbst importierten portugiesischen Rosé (kein Portugieser, sondern aus Portugal), der sehr gut ankam, aber auch besser zu wärmeren Außentemperaturen passt. Aber dann gab es kein Halten mehr: Der exzellente Grüne Veltliner musste wieder her! In Verbindung mit einer Cohiba, die eine Stunde lang Feuer hatte, genossen wir je drei Glas – berauscht haben uns räumliches Ambiente, mitmenschliche Atmosphäre, fachkundiger Service und die Qualität des Weines! Ohne Rausch im Kopf orderten wir ein Taxi, das uns sicher bis vor die Haustür brachte. Ergo: Bibamus! Das nächste Mal wieder! Ach ja: Diese Onewaywindow-Geschichte zwischen WC-"Foyer" und Bar ist ein witziger Gag. Tipp für Singles: Von hier aus die günstigste Kontaktposition orten und dann am richtigen Platz an der Bar andocken...

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